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A friend a day project.

Valentinstag. Heute werden Blumenblätter verstreut, Kerzen angezündet und Gläser mit tiefrotem Wein gefüllt. Liebe liegt in der Luft. Aber irgendwie auch ein klein bisschen Zwang und Unehrlichkeit. Das Paar am Nebentisch schweigt sich an. Jenes draußen auf der Straße steht unter einer Laterne und küsst sich.
Ein Tag wie jeder andere. Ein Tag der Herzen höher schlagen und Tränen fließen lässt.
Ein Tag der die Liebe feiern möchte.
Aber geht das nicht jeden Tag?

Ich werde den heutigen Abend mit einer Freundin verbringen. So wie die meisten Abende der vergangenen Woche. Denn ich habe einen Versuch gestartet, der nach 10 Tagen fast schon Alltag für mich geworden ist … mir Zeit zu nehmen, für Liebe und Zuneigung, nicht zwingend für den Partner, sondern meine Freunde.

Auslöser für das Projekt war ein Abend nach einem arbeitsintensiven Tag, an dem ich nach 10 Stunden “tun” gefühlt weder etwas weitergebracht, noch einen außergewöhnlichen Moment erlebt habe. Müde. Energielos. Anfragen auf einen Kaffee auf Grund von “To-Do’s” abgesagt, die trotzdem auf der Liste stehen geblieben sind … Dann einfach wieder nach Hause zu kommen und schlafen zu gehen, ohne ein Lächeln im Gesicht von jemandem ausgelöst zu haben – wollte ich nicht mehr!
Einen Anruf später fand ich mich Tränen lachend bei einer Freundin wieder und habe in nur einer Stunde mehr erreicht als den ganzen Tag davor. Zugehört, erzählt und eine Weile gemeinsam geschwiegen … jemandem meine Zeit geschenkt.

Es war ein Moment in dem ich beschlossen habe wieder mehr Zeit für gemeinsames Frühstücken, typischen Kaffeetratsch und After-Work-Drinks einzuräumen und den Mythos der endlosen Produktivität endlich Mythos sein zu lassen.

Samstag:
Vormittag: 10 Uhr. Burggasse 24. Saskia und ich treffen uns zum Shooting und Frühstück. Männer im Schlepptau. Sie ihren Freund. Ich einen Hund. Merlin. 2 Stunden fotografieren, experimentieren, Ofen-Kartoffel essen, lachen und erzählen.
Sonntag:
Nachmittag: Ich komme viel zu spät. Habe mich verfahren. Hole Merlin (den Hund) von Tim (dem Aufpasser) um mich mit Alina (einer Freundin) im Augarten (dem Park) zu treffen. Es ist Tauwetter. Sonnenschein und der schmelzende Schnee in Kombination mit Erde und Matsch hinterlässt Spuren auf Kleider und Tierfell. Trotzdem schön. Frischluft und Tierliebe … Bald wieder, ja? aber dann ohne Hund.
Abend: Merlin wieder bei Tim. Ich ungewöhnlich entspannt. Fatima ebenso. Wir treffen uns im Cuadro. Genehmigen uns einen Drink und erzählen. Ausnahmsweise nicht von der Arbeit. Wie angenehm…
Montag:
Abend: Langer Tag. Einen Anruf entfernt – Nathalie und ein Drink im Zweitbester. Ein Bier. Ein Tee – und Themen die ich hier nicht öffentlich stellen muss.
Dienstag:
Mittag: Im Fitnessstudio werden Freundschaften geschlossen. Ich treffe Susanne + Chefin zum Mittagessen. Wir plaudern über Arbeit, Sport, Männer und die Liebe. wesentliche Themen! Beim Café bin ich um eine Schwester reicher.
Abend: Ein spontaner Anruf um 10. Andreas. Spazieren. Raus an die Luft. Einfach so, weil man ja eh um die Ecke wohnt. Nur kurz, aber lang genug um sich ein bisschen was zu erzählen und verbunden zu fühlen.
Mittwoch:
Nachmittag: Arbeit mit Freunden. Wie schön wenn Arbeit und Freundschaft an einem Tisch sitzen. Scheitern. an der Dicke unserer Knöchel. Sie sind nicht fotogen. Holen eine Dritte im Bund ans Setting. Stunden später geschafft von Kälte und Anstrengung im Zweitbester – vor Burger und Salat.
Abend: Monika. Schon lange geschrieben. Noch länger nicht gesehen. Wir entscheiden uns für einen Drink in einer dieser Bars auf der “irgendwann mal besuchen-Liste” – die Parfümerie. Ich fahre Das Schild trägt keinen Namen – meinen Nacken ziert Parfüm. Auch meinen Gaumen Penicillin. So heiß mein Drink.
Donnerstag:
Übermüdung: Work-Meetings. die müssen reichen. Ganz ehrlich. Ich brauche mal einen Abend für mich.
Freitag:
Abend: Ein Anruf. Tim hat sich ausgesperrt. Sich und Merlin. Ich habe zwei Betten daheim. Hundefutter auch. Was braucht man mehr. Ein gemeinsamer Abend und Spontanität.
Samstag:
Vormittag: Es ist kalt draußen. Macht nichts. Leine an, Laufschuhe an. And der U-Bahn treffe ich Kai. Gemeinsame Runde zum Schloss und wieder zurück.
Mittag: Einkauf am Markt. Diesmal Merlin und Sophie im Schlepptau. Eine meiner längsten Freundinnen. Gemeinsames Gymnasium. Gemeinsames Diplomstudium. Gemeinsame Probleme und Themen. Der erste Cafe draußen vorm Lokal. Sonne auf der Nasenspitze. Kälte an den Zehen …

Ein Freund am Tag, oder eine Freundin. Eine wertvolle Begegnung, ein Lächeln ein geteilter Moment. Mit den hier beschriebenen Begegnungen hört es natürlich nicht auf – aber ich wollte zumindest ein paar davon mit euch teilen….

A friend a day.

Als sich dieser Titel in meinen Kopf geschlichen hat und ich „a friend a day“ in die Suchmaschine eingegeben habe, entdeckte ich zahlreiche Projekte, in denen Menschen ein Jahr lang jeden Tag einen neuen Freund machen. Eine spannende Idee, aber ist das wirklich Sinn und Zweck? Sind das dann wirkliche Freunde, oder einfach weiter Kontakte auf der FB-Friendslist der Anonymen?
Macht es nicht viel mehr Sinn bestehende Freundschaften zu pflegen und sich zufällig ergebende neue Freundschaften aufzugreifen, statt gezielt nach immer neuen zu suchen?

Ich jedenfalls muss ganz ehrlich zugeben, dass ich mich in den letzten Monaten weniger um manche Freunde gekümmert habe, als ich es mir wünschen würde. Wenn man jeden Tag mit Freunden im Büro sitzt, erklärt man sein Bedürfnis auf soziale Kontakte schnell als gedeckt und vergisst zu einfach auf jene außerhalb der Office-Zeiten.
Manchmal wartet man auch … nicht wissend auf was … aber denkt man müsse sich ja nicht immer selbst melden – aber genau das sollte man tun!
Freundschaften in die Hand nehmen, alte auferleben lassen, bestehende intensivieren, neue schaffen.

Nach über einer Woche Experiment ist die Liste der Menschen die ich treffen möchte immer noch lang – jene mit Freunden die ich am liebsten gleich morgen wieder sehen würde noch länger. Obwohl ich stundenmäßig weniger gearbeitet habe, habe ich mehr weitergebracht. War entspannter, besser gelaunt und habe die Zeit effektiver genutzt, in dem Wissen bald jemanden zu treffen. Stundenlang unendlich produktiv zu sein ist weder möglich, noch sonderlich erstrebenswert. Zumindest für mich.

Darum schnappt euch eine Freundin, einen Freund und nehmt euch etwas Zeit füreinander – denn die kommt ohnehin viele Tage im Jahr zu kurz. Oder feiert ihr schon einen Tag der Freundschaft? Nein? Dafür wird es Zeit!

Warum auch meine Freundin Eva den Valentinstag jedes Jahr mit ihrer besten Freundin verbringt, kannst du übrigen hier nachlesen -> VerloreneJugend

PS: Liebe muss nicht perfekt sein. sondern echt!

Wer seinen Liebsten oder der besten Freundin, dem besten Freund eine Überraschung machen möchte – ganz ohne Anlass und Grund, einfach um Danke zu sagen, oder auch Bitte – findet per  Klick aufs Bild ein passendes Rezept.

Fotografin: Saskia Stolzlechner
Shirt: Suite 13 - conscious & sustainable wear
Schmuck: Wild Fawn - eco friendly jewelry
Location: Burggasse24
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