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ich poste. also bin ich.

Fast einen Monat ist er her, mein letzter Blogeintrag. Auch die Posts auf Instagram und Facebook sind zurückgegangen. Mit ihnen meine Reichweite, Leser, Likes. Mehr geworden mein Level an sozialer Interaktion, an Erlebnissen.

Aber halt mal.

War ich überhaupt spazieren? Bin ich tatsächlich im Kino gewesen und habe mich mit Freunden einfach nur auf ein Glas Wein getroffen? Gesehen hat es schließlich niemand!
Und wo ist eigentlich das romantische Foto auf dem ich meinen Partner küsse oder jenes, wo meine Hand in seiner liegt? Habe ich überhaupt so etwas wie ein Liebesleben?

Beziehungsstatus: Verliebt in Facebook?

Bin ich ungebildet weil ich kein Bild von meinem derzeitigen Lieblingbuch teile, unorganisiert, weil mein Kalender nicht akribisch ausgerichtet neben einem Bleistift liegt und unsportlich weil kein Gymselfie zu sehen ist? Na zumindest etwas davon muss ich sein. Sagt meine letze InstaStory …

Und ja, auch wenn ich hier und auf meinen Kanälen ruhiger war, bin ich doch mittendrin, denn die Sozialkanäle gehören zu meinem Leben, privat wie auch beruflich.

Es gibt viele Gründe sie zu hassen, aber noch mehr Gründe sie zu lieben. Wo ich heute stehe, angelehnt an eine Fensterbank, stünde ich nicht ohne sie.
Der Beziehungsstatus zwischen mir und Social Media: kompliziert.

In den vergangenen paar Wochen habe ich mir meinen einzigen Neujahrvorsatz zur Regel gemacht, es einfach mal anders zu machen, weniger zu machen – weniger für die Außenwelt und mehr für mich.
Geblieben sind viele schöne Momente, aber nur in meinem Kopf.
Viele erledigte Aufgaben, abgehackt auf der Liste der To-do’s.

Es ist nicht bewusst passiert. Ich hatte einfach keine Zeit, keine Lust und keinen Atem zu Fotografieren, zu Schreiben und zu Posten. Meine Tage waren dicht, die Universität anstrengend und die Sonne stand nur so kurz am Himmel, dass ich die wenigen Stunden davon nutzen wollte.

Ich habe lange nicht gepostet. Wusste nicht wie und was. Wusste nur, ich habe mich neu verliebt, in diese Form der Ruhe und des Erlebens.

Ja, ich habe es genossen, durchaus. Und trotzdem heute aus dem Nichts heraus die Lust verspürt mich hinzusetzen und wieder zu Schreiben.
Auf diesen Moment habe ich gewartet. Danach habe ich gesucht … Lust zu verspüren meine Gedanken wieder zu teilen und in Worte zu fassen.

Wenn Leidenschaft und Arbeit verschwimmen, man seine Kreativität und Aufmerksamkeit jeden Tag anderen Projekten widmet, fehlt irgendwann die Inspiration für das eigene Tun. Es erfordert kraft sich nach acht Stunden Arbeit hinzusetzen und von vorne anfangen, kreativ zu werden, Wortmalereien zu Zeichnen.
Stattdessen spüre ich manchmal Leere. So leer wie das Blatt und die Geschichte vor einem, die ich lieber mit Freundschaft und Austausch fülle, als einem weiteren Social Media Marathon.
So lange bis sie wieder da ist, die Muse und Inspiration –
solange bis dich eine kleiner Moment mit einem AHA bedenkt und die Geschichten und Bilder wieder da sind.

Bis mir wieder einfällt, halt – in meinem Postings geht es ja gar nicht nur um mich.
Ich brauche mich nicht darzustellen. Brauche keine Likes für mein neues Shirt und keine #dope für mein Frühstück des Tages.
Ich kann immer noch Geschichten erzählen, von Erlebnissen, Begegnungen, Menschen, Experimenten, Ansichten, … und da war sie wieder – die Lust auf die Suche nach eben diesen Geschichten zu gehen, die es wert sind erzählt zu werden.

ich poste, also erzähle ich.

Shirt: Jan' n June - faires und veganes Label aus Hamburg. Eines meiner all-time-favourite Basics. Habe ich auch schon lange  genug um es so nennen zu dürfen ;)

Ohrringe: Comerc Store Vienna - handgemacht in Wien. Aus der ersten Eigen-Kollektion.

Hose: Humility - französisches Traditionsunternehmen. Habe die Hose in einer kleinen Boutique entdeckt.
Nicht wissend ob fair. Das Label aber bereits kontaktiert, denn die Webseite verrät nichts.

Fotos: von meiner allerliebsten Freundin und Kollegin Nathalie Padrutt
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