Walk & Talk – Ein Spaziergang der Integration

Vor gut einem Jahr bin ich nach Wien gezogen – genau genommen nach Margareten – dem fünften Wiener Stadt-Bezirk. Selten habe ich mich an einem neuen Ort so schnell zu Hause gefühlt wie hier. Wenn man durch die Straßen geht, hat man teilweise das Gefühl in einem kleinen Örtchen am Land zu sein – ein paar Straßen weiter zeigt sich der Bezirk von seiner Großstadtdschungel-Seite.

Doch was bedeutet es eigentlich sich „zu Hause“ zu fühlen? Was braucht es um wirklich „Daheim“ zu sein?
Sich zu Hause und zugehörig zu fühlen, ist nicht immer einfach, schon gar nicht wenn man von weit her kommt. Bürokratische aber auch persönliche Hürden wollen überkommen werden. Ich habe das zwar erlebt, als ich nach Frankreich gezogen bin, und später nach Salzburg, aber wie es ist, aus einer ganz anderen Kultur und anderen Gründen an einen neuen Ort zu ziehen, werde ich nie wissen – nur versuchen können es zu verstehen. Youareherevienna ist sich sicher, dass es keine Frage von Zeit und Wissen ist, sondern mit der Auseinandersetzung mit dem Ort, mit Verbindungen, Interaktion und den Menschen vor Ort zu tun hat.

Darum haben sie in Zuge der ViennaDesignWeek eingeladen ein „Instant local“ zu werden und sich gemeinsam auf Entdeckungstour in Margareten zu begeben. Obwohl ich mich im Fünften schon sehr heimisch fühle, war ich doch neugierig, was und wen ich Neues entdeckten würde, und tatsächlich hat mich der Weg in komplett neue Richtungen geführt…..

Es war einer dieser kalten verregneten Herbsttage, an denen man sich am Liebsten mit einer Decke auf die Couch kuscheln würde, doch die frische Luft und der leichte Nieselregen haben gut getan und wieder ein bisschen Klarheit in den erhitzten Kopf gebracht. Die Idee des Walks war denkbar einfach, viele interessierte Menschen die sich weder kennen, noch auskennen, machen sich gemeinsam auf den Weg. Wohin, wurde unterwegs entschieden. Es entstanden Gespräche – über die Stadt, die Herkunft und das Leben.

Ich lernte eine Tirolerin kennen, die abwechselnd in Innsbruck und Wien lebt, eine Studentin aus Amsterdam und eine Künstlerin aus Lublijana. Ich durfte erfahren dass sie bei der Design Week ausstellt und mit ihrem Projekt aus einem Unkraut Papier und andere Produkte macht. Dann waren da noch die Bezirksstadträtin und allerlei andere spannende Menschen, die sich getrieben von der Neugierde auf den Weg gemacht haben. Anders als erwartet führte der Weg aber nicht stadt-ein, wo ich Margareten vermutet hätte, sondern in die andere Richtung durch Straßen meines Wohnorts, die ich zuvor noch nie gesehen habe.

Mit voranschreitender Zeit und Kälte zog es uns wieder in das temporäre Büro von Youareherevienna zurück, wo mich die schönste Überraschung des Walks erwartete. Der Künstler Ali Kianmehr ist vor einigen Jahren nach Wien gekommen und verwandelt Worte und Schriftzüge in arabische Kaligraphie. Auch meinen Namen „Amina“, der aus dem arabischen stammt, hat er aus Stift und Feder gezaubert und mit Blattgold verziert. Ich war/bin sprichwörtlich hin und weg von der Liebe zum Detail mit der er das gemacht hat. Ein kleines Kunstwerk das mich nicht nur mit der Herkunft meines Names sondern nun auch mit meinem Wohnort verbindet. Zu bewundern gibt es seine Werke auf kianmehr.com  oder auf Facebook.

Motiviert, neue Wege zu gehen, habe ich mich auf die Suche nach Angeboten innerhalb der Stadt gemacht. So kannst auch du spazierend Integration fördern.

  1. Youareherevienna
    …entwickelt gerade einen Digitalen City Guide der neuankommende Mitmenschen unterstützen sollen, ein „lokal“ zu werden. Gesammelt werden Eindrücke, Geschichten und Fakten, sowie Erlebnisse und Ideen, die dabei helfen die Stadt kennenzulernen und zur eigenen zu machen.
  2. Frag Nebenan
    Schon mal daran gedacht, einfach nebenan zu fragen, wenn du eine Bohrmaschine brauchst, oder dir das Mehl ausgegangen ist? Mir hat das Nachtbarschafts-Netzwerk schon mehr als einmal geholfen, antworten auf Fragen aber auch Werkzeuge und neue Menschen zu finden – nur einen Spaziergang von meiner Haustüre entfernt.
  3. Entdecke die Wege Wien’s
    Wege Wien sammelt in ihrer Karte Institution und Angebote für Menschen, die neu in Wien ankommen und lädt ein, diese auch zu besuchen.
  4. Lass deine Stimme erklingen
    Stadtradio Orange ist die interaktive Sendereihe für die Stadtbewohner_innen Wiens und befasst sich mit der Stadt als Lebens- und Arbeitsraum. Mitmachen kann jeder. Stück für Stück entsteht so ein vielstimmiges Bild der Stadt.
  5. Erkunde Wien zu Fuß
    Gehst du noch oder flanierst du schon? Hier kannst du deine Wien Fußwegkarte bestellen – und hier findest du Portraits von Wiener Zu-Fuß-Gehern. Vielleicht wollt ihr ja ein Stück des Weges gemeinsam gehen
  6. Nimm am jährlichen TalkWalk teil.
    Der Charity Walk lädt zum spazieren zu Gunsten von Integrationsprojekten. 2015 war es das Magdas Hotel – dieses Jahr wurde für den Verein HOSTENSTATTPOSTEN gesammelt – mit seinen Projekten Habibi&Hawara und dem Projekt Gasthof Schramm, eine geplante Flüchtlingsunterkunft
  7. Spaziere durch den Schatten der Stadt
    Shades Tours bietet Touren geführt von Obdachlosen an und lädt ein die facettenreichen Schattenseiten der Stadt kennenzulernen.
  8. Erkunde die Route28
    Hier begibst du dich auf eine Europa-Reise mitten in Wien. Rund um den Europatag im Mai 2017 werden unterschiedliche Orte in europäische Länder verwandet, die man bereisen kann. Denn Europa ist dazu da, es kennenzulernen!
  9. Weiche vom Weg ab!
    Schon mal daran gedacht, einen anderen Weg in die Arbeit oder Uni zu nehmen? Immer wieder die Richtung zu wechseln und neue Wege zu gehen lässt dich nicht nur Neues entdecken, sondern fördert auch die Kreativität, und wer weiß, vielleicht triffst du am Weg einen Menschen, den du schon lange gesucht hast 😉

Lasst uns spazieren gehen. In eine offenere Stadt.

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